Aldi gibt die Richtung vor

 

Von Jürgen Wermser

 

Die Ankündigung von Aldi, ab 2030 nur noch Fleisch aus Haltungsstufe 3 und 4 anbieten zu wollen, wird die deutsche Landwirtschaft tiefgreifend verändern. Dies zeigen bereits die ersten Reaktionen von Handel, Verbrauchern, Umweltschützern und Agrarvertretern.  Nur ein Bereich hält sich bislang ziemlich bedeckt: Die Politik. Doch auf ihn kommt vor allem an, damit das höchst ehrenwerte Streben nach mehr Tierwohl nicht in einer tödlichen Sackgasse für Tausende von bäuerlichen Familienbetrieben endet. Von den negativen Auswirkungen auf den ländlichen Raum ganz zu schweigen.

 

Niemand sollte sich der Illusion hingeben, am Ende würden Aldi und die übrigen Lebensmittelketten schon stillschweigend einlenken, wenn in Deutschland bis 2030 nicht genügend Fleisch aus Haltungsstufen 3 und 4 zur Verfügung stünde. Dafür sind die Konzerne strukturell und finanziell einfach zu mächtig. Sie bestimmen seit vielen Jahren den Ton in der Landwirtschaft. Wer nicht nach ihrer Pfeife tanzt, kommt dies am Markt bitter zu spüren. Man erinnere sich nur an die vielen Bauernproteste gegen vermeintliche oder tatsächliche Dumpingpreise, die Aldi und Co. den landwirtschaftlichen Produzenten zahlten.

 

Konzerne in stärkerer Position

 

Die Konzerne waren und sind in der stärkeren Position, denn der Weltmarkt bietet ihnen genügend Alternativen, um die hiesigen Regale zu füllen.  Alles spricht dafür, dass dies ab 2030 auch für Fleisch aus den Haltungsstufen 3 und 4 gelten wird. Die Nachfrage wird hier das internationale Angebot schaffen. Der Biosektor zeigt seit Jahren, wie das geht.

 

Umso wichtiger, dass die Politik schnell handelt, um hiesigen Landwirten eine verlässliche Perspektive für die Umstellung ihrer Produktion zu eröffnen. So müssen das Bau- und Umweltrecht der neuen Entwicklung angepasst, gewaltige Investitionen getätigt und abgesichert werden. Auch brauchen die Landwirte verlässliche Liefervereinbarungen, damit sie solide planen und wirtschaften können.

 

Vorschläge liegen auf dem Tisch

 

Die sogenannte Borchert-Kommission hat hierfür gangbare und vernünftige Wege aufgezeigt. Sie zu beschreiten ist politisch und finanziell eine Herausforderung. Doch die künftige Bundesregierung - egal welcher Couleur - hat im Grunde keine vertretbare Alternative. Politisches Abwarten und Nichtstun hätte fatale Konsequenzen: das Aus für immer mehr kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe, verstärkte industrialisierte Landwirtschaft und Produktionsverlagerungen ins Ausland - begleitet von weniger Tierwohl. Und fast schlimmer noch: Der Verzicht auf staatlichen Gestaltungswillen in einem zentralen Versorgungssektor für die Bevölkerung. 

natur + mensch der politische Blog ist eine Initiative der Stiftung natur + mensch

 


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