Es geht ums Überleben

 

 

Von Jürgen Muhl

 

Bevor Nordfriesen gesprächig werden, müssen einige Biere und dazu möglichst

ein, zwei Schnäpse durch die Kehlen geflossen sein. Und bevor sie sich aufregen und womöglich laut werden, muss schon etwas Gravierendes passiert sein. So wie jetzt.

 

Die Europäische Union will die Gelder für Küsten- und Hochwasserschutz streichen. Davon wären allein die schleswig-holsteinischen Küsten mit jährlich 42 Millionen Euro betroffen, die künftig wegfallen sollen. Diese Ankündigung kommt aus Brüssel – eine Stadt, die nicht vor Hochwasser geschützt werden muss – zu einer Zeit, in der der Meeresspiegel so stark wie nie zuvor steigt. Das geschieht mitten im Klimawandel, gegen den der Großteil der EU-Abgeordneten so gern mobil macht.

 

Auf den Inseln Föhr und Sylt, auf den Halligen und auch auf dem nordfriesischen Festland gehen die Lokalpolitiker auf die Barrikaden. Wie Rolf Speth, Bürgermeister der Gemeinde Hörnum an der Sylter Südspitze. „Um die Hörnum Odde zu sichern, brauchen wir die Sondergelder. Die Streichung wäre ein harter Schlag. Aber wir werden uns wehren“, sagte Speth den Husumer Nachrichten.

 

Wie wichtig der Küstenschutz für die schleswig-holsteinische Westküste ist, hatte bei der EU offensichtlich niemand im Blick, als jetzt bei den Haushaltsverhandlungen zwischen EU-Kommission, Ministerrat und europäischem Parlament folgendes ins

Gespräch gebracht wurde: Künftig sollen nur noch Küstenschutzprojekte von der EU gefördert werden, die lokal geplant werden. In Schleswig-Holstein ist das aber eine überregionale Angelegenheit.

 

Es geht ums Überleben für unsere Insel“

 

Die Föhrer Amtsvorsteherin Heidi Braun ist entsetzt. „Das ist hier doch kein Prestigeobjekt, hier geht es ums Überleben für unsere Insel.“ Auch in der Kieler Landesregierung stößt der EU-Vorstoß auf Ablehnung. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) und seine Kollegen in den anderen deutschen Küstenländern haben Recht, wenn sie den EU-Abgeordneten jetzt in einem Brandbrief klarmachen, dass künftig nicht weniger, sondern mehr Anstrengungen zum Schutz vor Sturmflut und Hochwasser nötig sein werden.

 

Tausende von Touristen verbringen in diesem Sommer ihren Urlaub an der Nordseeküste. Geschützt von Deichen. Viele Spazierwege führen auf den Deichen entlang und auch dahinter. Sollte einmal ein Deich brechen, könnte im schlimmsten Fall die gesamte Marsch voll Wasser laufen. Das wäre auch das Ende nicht nur der Spaziergänge, sondern auch des Lebens in diesen Küstengebieten.

 

EG-Kommissare sollten sich hier einmal die Wanderstiefel schnüren. 

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