Auch China muss sich an Regeln halten

 

Von Jürgen Wermser

 

Wer im Verdacht steht, systematisch Spielregeln zu verletzen oder zu manipulieren, sollte kritisch hinterfragt und notfalls sanktioniert werden. Dies gilt grundsätzlich auch für den weltweiten Agrarmarkt und einen so wirtschaftlich starken Akteur wie China.

 

Ob und in welchem Maße dies tatsächlich geschehen kann, hängt natürlich von den jeweiligen Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen in konkreten Teilmärkten ab. Dort können dem „Schwachen“ - aktuell leider meist dem Europäer - kurzfristig die Hände gebunden sein. Umso wichtiger ist eine Langzeit-Strategie. Zu ihr gehört in jedem Fall große Vorsicht im Umgang mit chinesischen „Partnern“, die an der kurzen Leine eines diktatorischen Regimes sind, das brutal und skrupellos den eigenen Machtinteressen folgt.

 

Im Zweifel hat in Peking stets das Interesse der Kommunistischen Partei Vorrang. Rechtssicherheit und Marktregeln können jederzeit außer Kraft gesetzt werden, wenn es den roten Mandarinen opportun erscheint. So glänzend viele Geschäfte mit China auch laufen, so konstruktiv ein Großteil der Projekte auch gemanaged werden: ein gewisses Gefühl der Unsicherheit bleibt fast immer: Spielt die andere Seite womöglich im Kleinen oder gar ganz großen Stil mit gezinkten Karten?

 

Top-Analysten plötzlich verhaftet

 

Ein aktuelles Beispiel für solches Unbehagen sind Berichte über die Märkte für Mais und Soja, die bei westlichen Produzenten und Verbrauchern Besorgnis auslösen. Danach stellte ein bislang als unabhängiges geltendes chinesisches Analystenhaus Ende April seine Berichterstattung über die Märkte für Getreide, Öle und Futtermittel in China plötzlich ein. Die Top-Analysten des Instituts sollen laut Medienberichten unter Hausarrest gestellt oder verhaftet worden sein. Die Internetseite ist verwaist, es gibt keine täglichen Preisberichte mehr. Derweil kauften chinesische Importeure die US-Maisernte in Rekordtempo auf. Da drängt sich schon der Verdacht auf, der dringend benötigte Bedarf in China soll verschleiert werden, um so die Angebotspreise auf dem Weltmarkt niedrig zu halten.

 

Der Fall zeigt: Die wirtschaftlichen Geschäfte mit China müssen endlich in jeder Hinsicht transparent, fair und berechenbar verlaufen. Die Europäische Union und die USA sollten deshalb in Handelsfragen gegenüber Peking mit einer Stimme sprechen und Klartext reden. Nur dann werden sie von der KP-Führung auch tatsächlich ernst genommen. Wer sich stattdessen durch „schöne Geschäfte“ politisch einlullen lässt, könnte am Ende bitter dafür zahlen müssen: Sobald sich Chinas Kommunisten eines Tages stark genug fühlen, die Spielregeln des internationalen Handels ganz offen und ausschließlich zum eigenen Vorteil festzulegen…

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