Erfolgsmodell gibt es längst

 

Von Wolfgang Kleideiter

 

Die Skepsis war von Anfang an groß. Und jetzt ist es schon wieder passiert: Auch in dieser Legislaturperiode wird kein staatliches Tierwohlkennzeichen auf den Weg gebracht. Das Gesetzgebungsverfahren stockt, die SPD steht quer im Stall. Sie will – obwohl dies das Europarecht aktuell nicht zulässt – das Label für alle verpflichtend machen, die Union setzt dagegen auf Freiwilligkeit.

 

2017 hatte der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) das staatliche Label mit großem Tamtam auf der Internationalen Grünen Woche präsentiert und hoffnungsfroh schon für das Folgejahr 20 Prozent Marktdurchdringung beim Fleisch als Ziel angegeben. Ein frommer Wunsch – mehr nicht. Und nach Schmidt schaffte es nun auch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) nicht, das Siegel-Gesetz durchs Parlament zu bringen. Da hilft es auch nicht, dass das Regierungsbündnis das staatliche Tierwohllabel seinerzeit in den Koalitionsvertrag genommen hat. Wer erinnert sich schon daran, wenn es bald mit neuem Akzent wieder in den Wahlprogrammen auftaucht? In der CDU wird bereits über ein Tierwohlstall-Förderungsgesetz nachgedacht.

 

Branchen-Initiative kommt gut voran

 

Inzwischen kann die 2015 von Lebensmitteleinzelhandel, Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Gastronomie geschaffene „Initiative Tierwohl“ – nicht zu verwechseln mit dem staatlichen Label – ihr bewährtes Programm weiter vorantreiben. Während man in Berlin immer noch streitet, läuft bei der Brancheninitiative schon die dritte Programmphase. 

 

Diesmal machen bundesweit über 6800 Schweine haltende Betriebe und fast rund 3400 Hähnchen- und Putenbetriebe mit. Bei den Mastschweinen erreicht das Programm inzwischen 31 Prozent, bei Hähnchen und Puten sogar 70 Prozent.

 

Laut Initiative profitieren jährlich fast 650 Millionen Tiere von den mit dem Siegel verbundenen Haltungsformen. Nur wer die vorgegebenen Standards, die über den gesetzlichen Anforderungen liegen, erfüllt, erhält ein Entgelt. Bisher wurden über einen Fonds 645 Millionen Euro an die Tierhalter ausgezahlt. Neben der Fondslösung wird die Finanzierung im Laufe dieses Jahres um eine Marktkomponente erweitert. Geflügel- als auch Schweinemäster erhalten dann den Aufpreis direkt von den teilnehmenden Schlachtunternehmen beziehungsweise ihren Vermarktern.

 

Während die Politik herumeiert und sich auch mit einer europäischen Lösung schwertut, sorgte die Initiative dafür, dass Verbraucher die Haltungsform-Kennzeichen deutschlandweit bereits in über 20.000 Filialen von Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe findet. Diese Händler kennzeichnen laut „Initiative Tierwohl“ durchschnittlich um die 90 Prozent der betreffenden Gesamtware von Schwein, Hähnchen, Pute und Rind mit der Haltungsform-Kennzeichnung. Wenn das kein Erfolgsmodell ist.

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