Moral und Moneten

 

Von Jürgen Wermser

 

Klima- und Naturschutz sind zentrale Zukunftsaufgaben. Dies wird in Deutschland von niemandem mehr ernsthaft bestritten. Dennoch wirken manche Debatten von Befürwortern und Gegnern einzelner Maßnahmen wie Glaubenskriege. Insbesondere Verfechter radikaler Reformen neigen immer wieder zu selbstgerechtem Auftreten nach dem Motto: Wir Linke und Grüne stehen für Moral und Verantwortung, Landwirte und Nicht-Großstädter dagegen für Moneten und Borniertheit. Politisch dümmer und fataler kann eine solche Selbstgerechtigkeit kaum sein.

 

Entscheidend bleibt, dass alle Akteure offen und auf Augenhöhe aufeinander zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Wer meint, er sei über Zweifel erhaben, möge sich nur an die kürzlich bekannt gewordenen finanziellen Ungereimtheiten bei grünen und linken Spitzenpolitikern wie Annalena Baerbock und Karl Lauterbach erinnern.

 

Beide haben gegen Transparenzregeln verstoßen. Auch wenn sie sich offenkundig nicht persönlich bereichern wollten - ein politisches „Geschmäckle“ hat es schon. Weshalb erhält etwa eine Vorsitzende eine coronabedingte Sonderzahlung von ihrer Partei? Und weshalb bekommt ein Abgeordneter Extra-Honorar, wenn er letztlich nur seinem politischen Job nachgeht und irgendwo eine Rede hält?

 

Auf wechselseitiges Verständnis setzen

 

All dies mag in den Details noch so gut begründbar gewesen sein: Ein moralisches Ruhmesblatt wird daraus gewiss nicht. Muss es auch nicht, wenn allein sachliche Argumente im Vordergrund der politischen Auseinandersetzungen stehen. Und so sollte es sein. Solange niemand einen politischen Heiligenschein für sich beansprucht, kann wechselseitiges Verständnis wachsen. Praktische Kompromisse werden dann umso leichter möglich.

 

Dies ist besonders wichtig für das Miteinander von städtischem und ländlichem Raum. Wer im Zentrum von Düsseldorf, Dortmund oder Dresden wohnt, für den dürften dörfliche Lebensformen in Dithmarschen, in Brandenburg oder im Bayerischen Wald gefühlt sehr weit entfernt, ja manchmal unverständlich sein. Da gibt es nur einen Weg, um eine potenziell gefährliche Spaltung zu überwinden: Die eigene Echoblase verlassen und dem anderen zuhören.

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