Die neue Landlust als Aufgabe für die Politik

 

Von Christian Urlage

 

Es ist eine überraschende Entwicklung: Jahrelang war von Landflucht und Abwanderung die Rede, nun zieht es Menschen wieder aufs Land. Und zwar nicht nur in die Speckgürtel um die Metropolen, was noch erwartbar wäre. Attraktiv sind vielmehr auch abgelegene Regionen. Hier sind die Preise genauso gestiegen wie in den Städten, wie dem Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft zu entnehmen ist. Entfernungen spielen demnach nicht mehr die große Rolle.

 

In Zeiten von Corona haben die Vorteile der Großstädte nachgelassen – Cafés, Restaurants, Theater, Kino und Museen waren geschlossen. Gestiegen ist hingegen der Traum vom eigenen Haus mit Garten. Viel Platz und mehr Ruhe, dazu die Nähe zur Natur: Diese Standortvorteile wirken. Selbst für den unsanierten Bauernhof finden sich erstaunlich viele Bewerber.

 

Keine leichtfertige Entscheidung

 

Sicherlich schrecken teure Immobilien in den Städten Kauf-Interessenten ab. „Unbezahlbar. Warum Normalverdiener sich heute kaum noch ein Eigenheim leisten können“, titelte Mitte Mai der „Spiegel“, ohne sich dem ländlichen Raum zu widmen. Familien, die dorthin ziehen, haben sich nicht leichtfertig dafür entschieden. Aber es wäre schlecht, wenn sie sich ein zu romantisches Bild machen würden. Ärzte, Kitas, Schulen und der Supermarkt sind oft schwieriger erreichbar als in der Stadt. Andererseits haben Homeoffice und Online-Handel gezeigt, dass manche bisherigen Standort-Nachteile nicht mehr so stark greifen. Zum Shoppen muss niemand zwingend in die Großstadt. Und Fachkräftemangel auf dem Land erhöht die Chance, wohnortnah eine passende Stelle zu finden.

 

Wo die Politik eingreifen sollte

 

Was heißt das alles für die Politik? Sie sollte die Entwicklung, durch die ländliche Räume stabilisiert werden, wohlwollend begleiten. Manches geschieht schon. So fließen Milliarden aus dem „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“. Gefragt sind auf Bundesebene das Agrarministerium und das Innenministerium, das ja zugleich Heimatministerium ist. Zu Recht hat Landwirtschaftsministerin Klöckner von „Kraftzentren“ unseres Landes gesprochen, die gestärkt werden müssten. Nötig sind schnelle Internetverbindungen und eine gute Verkehrsinfrastruktur. Steuernd sollte die Politik auch eingreifen, damit die zentralen Lagen attraktiver werden und gerade in der Dorfmitte keine Gebäude leer stehen.

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