Die CDU im grünen Ländle - zwischen Kuscheln und Kuschen

 

Von Wolfgang Molitor

 

Ein grünes Musterländle. So will es Winfried Kretschmann, beflügelt von der zweiten Wiederwahl. Zum dritten Mal haben die Baden-Württemberger den Grünen eine Ausgangsposition verschafft, um ihn vom Landtag zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Diesmal so deutlich wie nie. Die Grünen haben die CDU, die das Land fast 60 Jahre zum Schluss reichlich selbstverliebt beherrscht hatte, abgehängt. Vernichtend geschlagen.

 

Baden-Württemberg ist grün, von Nord bis Süd, von Ost bis West. In den großen Städten sowieso, mittlerweile auch im ländlichen Raum, der letzten angeschlagenen schwarzen Bastion. 58 von 70 Landtagswahlkreisen haben die Grünen gewonnen, was umso bemerkenswerter ist, weil bei der Bundestagswahl alle 38 Wahlkreise direkt von der CDU gewonnen worden waren. Da geht es dann um, das christdemokratische Muffensausen, wenn am 26. September der neue Bundestag gewählt wird.

 

Die meisten Wähler interessiert es nicht, ob der 72-jährige Kretschmann die ganze Legislaturperiode durchhalten will, darf oder kann. Er ist der öko-konservative Übervater, und die CDU kann sich freuen, dass sie deshalb bei Kretschmann hoch in Kurs steht. Der Ministerpräsident hat sich durchgesetzt - gegen die emotionale Mehrheit seiner Partei, darf man glauben -, um weiter mit der Union regieren zu können. Die grüne Basis hätte gern eine Ampel gesehen. Aber Kretschmann will keine Experimente. Weder mit einer marginalisierten, wenngleich artigen SPD, noch mit einer übermütigen FDP, zumal mit einem vorwitzigen Spitzenpersonal.

 

Kretschmann mag CDU-Chef Thomas Strobl mehr als die CDU ihren Vormann. Dass die gedemütigte CDU-Frontfrau Susanne Eisenmann, die flugs ihren Komplett-Ausstieg aus der Politik wortkarg und ohne Jammern verkündete, die Grünen nicht im Ansatz gefährden konnte, lässt Strobl zumindest bis zum erwarteten neuen Desaster bei der Bundestagswahl, weiter stark scheinen. Auch, weil es die CDU-Spitze nicht wahrhaben will, wie tief sie gestürzt ist. Ein neuer Fraktionschef, ansonsten wenig Mut zu spektakulären personellen Konsequenzen - in der CDU ist man mit sich zufrieden, weiter als abgemagerter Junior mitmischen zu dürfen. Mit anbiedernder Öko-Begeisterung und nur schlecht kaschierter Unterwürfigkeit. Der CDU reicht der zweite Platz im Land. Solange Kretschmann sie nicht in die Opposition schickt. 

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